Vor die Tür

Ein älterer Mann (er ist soeben aus dem Gefängnis entlassen worden und fährt durch das winterverschneite Ontario), wird in einem Truckstop angesprochen und nimmt widerwillig eine junge Anhalterin mit. Unverschuldet geraten sie in einen Verkehrsunfall, das Mädchen stirbt. Der Mann sucht die Mutter der Tochter auf. Sie ist autistisch und reagiert eigen. Er erfährt, daß die Tote gern per Anhalter unterwegs war, da sie Schriftstellerin werden wollte. Wenn sie Autofahrer ansprach, dann stets diejenigen, die am einsamsten aussahen. Denn die hätten die besten Geschichten. Der Mann zögert, als die Mutter ihn einlädt zu bleiben. Sie spricht meine Lieblingssätze: „Möchten Sie Tee? Möchten Sie rausgehen und spielen? Ich habe einen Trampolin.“ Niemand fragt uns mehr, ob wir nicht lieber rausgehen möchten und spielen. Das läßt tief blicken. (Der Film heißt Snow Cake, die Mutter wird gespielt von Sigourney Weaver, den Mann gibt Alan Rickman.)


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Vor die Tür

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert