Melancholie macht die Stunden schwer. Sie wiegt und verbucht die Kosten und Verluste, registriert den Abschied. Das Neue interessiert sie nicht. Es wird sie interessieren, wenn es alt und kostbar geworden ist. Die Melancholie ist konservativ. Sie intoniert und orchestriert das große Umsonst und läßt eintauchen in die Tiefe ihres schönen Schmerzes. Melancholie ist die Zugfahrt durch eine alte Heimat, das Wiederaufsuchen der heiligen Orte von Kindheit und Jugend. Melancholie ist Rückwärtssehnsucht, eine harmlose Träumerei in Nichtmöglich. Und doch vermag sie zu schwächen, da sie die Aufmerksamkeit ablenkt und auf jenes zu richten sucht, was längst vergangen ist. Melancholie ist Pietät. Ein Feinschmeckerdienst an der eigenen Geschichte. Eine Würdigung posthum. Melancholie ist noch mehr. Man darf ihr nicht zu viel zu fressen geben, sie ist unersättlich. Und ganz allmählich blutet man aus, bis man schon fast ganz tot ist.
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