Flackernde Flamme

John Trudell, 15.2.1946 – 8.12.2015. (Ein Nachruf auf Indian Country Today Media Network von Alex Jacobs. Dort die Fakten und eine Würdigung.) Ich erhalte eben die Nachricht von seinem Tod, und sie trifft wie ein Pfeil. Daß ich seine Musik und seine Texte kennenlernen konnte, verdanke ich einem guten Freund, der stets ahnte, wessen ich bedarf. Was mein Feuer entfacht und nährt. Eine Flamme benötigt Luft. Bei John Trudell suchte ich Zuflucht, wenn mir die Denker und Dichter der westlichen Welt nichts mehr zu bieten hatten. Wenn sie sich in ihrer Begriffsgläubigkeit verfingen. Wenn sie die Plakate der Freiheit aufspannten. Wenn sie artig die Erklärungen nachverfaßten, die längst über uns ergangen sind, darüber, wie fortgeschritten und human wir seien, wie nahe dem Besten wir lebten, wie glücklich wir uns schätzen sollten im Wohlstand, der nicht weiter fragt. Wenn ihre Kritik lächerlich oberflächlich war, da ohne Erdung und wirkliches Wissen. Wenn ich mich alleingelassen fühlte mit meinen eigenen Gedanken über das, was über uns rollt wie eine Lawine, uns ergreift und schüttelt wie ein Verhängnis, uns ausraubt und zur Seite schiebt, wenn wir ausgedient haben. Arbeitsleben, Showbusiness, Politik, Wirtschaft, Kunstbetrieb. Leben im Kapitalismus, miteinander oder gegeneinander, nicht füreinander. Jeder sich selbst der Nächste, Leben auf der Überholspur, Konkurrenz belebt das Geschäft. Prämisse: Wenn bei der Verteilung der Güter jeder zunächst nur an sich selbst denkt, ist für alle gesorgt. Die Harten und ihr Garten. Die Kampflogik derer, die niemals in einen offenen Kampf treten müssen. Die Welt ein Tollhaus der Angst. Jeder kann der nächste sein, den es von der Tenne fegt. Dann befragte ich den Santee-Dakota, der zu unterscheiden wußte zwischen authority und power. Er sah die Indianerstämme Nordamerikas als erstes Opfer des „großen globalen Biests“, das alle und alles schlucken muß, bis es an sich selbst verendet. Da er jedoch den Unterschied kannte, verstummte er nicht. Auf der Homepage von John Trudell ist sein letztes Album Wazi’s Dream zu hören, ebenso Blue Indians von 1999. Die Stimme bleibt ja. Er sagte auch: I’m older than America.


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