U-Bahnhof, Yorckstraße, eine schmutzige Station, gemischte Gesellschaft der Wartenden, abends. Einer im Rollstuhl hat im Sitzen in die Ecke gepinkelt, jetzt puhlt er an seiner Hose herum und ächzt. An den Griffen des Stuhls hängen Plastiktüten voll mit Krimskrams für das tägliche Überleben. Du Arschloch, du riesiges Arschloch! ruft ein Mann mit kurzen Haaren und irren Augen, der an dem Rollstuhlfahrer und der Pisselache am Boden vorüberläuft, schnurgerade dem Ausgang zu, um dort kehrt zu machen und auf exakt derselben Linie zurückzukehren und erneut zu schimpfen. Sein Gesicht ist haßverzerrt. Den Rollstuhlsitzer schert das nicht, er rupft immer noch an seinem Reißverschluß herum und gibt diese Töne von sich. In seiner Nähe riecht es nach Verwesung. Zwei Punkjungs in Nageljacken und Springerstiefeln sind laut und unterhalten die Station, schubsen sich an den Rand des Bahnsteigs und führen einen Ringkampf hart am Abgrund vor. Die Bahn sollte jeden Augenblick eintreffen. Der Liniengeher kehrt zurück, diesmal sagt er nichts mehr, schüttelt nur wirr den Kopf, als könne er etwas nicht fassen. Die anderen (wir sind zu zwölft) schauen vor sich hin oder wischen auf ihren Smartphones herum. Die Stimmung ist bedrückend, doch nicht zu sehr. Wir werden ja gleich herausgeholt aus dieser kleinen Hölle ohne Teufel. Der Linienläufer steigt ein, die Punks fahren mit, die anderen auch. Nur der Rollstuhlfahrer bleibt in seiner Ecke eingeparkt und hat auch gar nicht bemerkt, daß die Bahn anhält. Sein Reißverschluß klemmt nämlich, und das ist sehr ärgerlich. Im Laufe des Abends wird er das hinbekommen haben. Sicher werden sie ihn von dort verscheuchen, wenn die Station geschlossen wird, und sich die Nasen zuhalten, währen sie ungeduldig und schlüsselklappernd darauf warten, daß er sich bequemt, zum Aufzug zu rollen. Oben ist kalte Nacht. Unten ist es schön warm, nur daß es manchmal ein bißchen zieht.
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