Eine Lehre der Jahreszeiten

Kurz vor der längsten Nacht des Jahres, dem kürzesten Tag. Daß wir jährlich wiederkehrend durch das komplette Mahlwerk der Jahreszeiten müssen – was macht das mit uns? Wir wissen dadurch, wie es kommen wird, nämlich noch ganz anders. Dieses Wissen macht vorausschauend und mißtrauisch; wir rechnen mit dem Schlimmsten; wir ziehen uns gedanklich warm an. Denk an später, es ist nicht alles eitel Sonnenschein. Es erzieht zu Hamstertum und Reserve, zu Sparsamkeit, sogar Geiz. Nicht zu früh jubeln; wer zuletzt lacht, lacht am lautesten. Endlich werden die Tage wieder länger, spürbar Ende Januar. Im Februar kehrt das Licht zurück. Dies zu wissen macht widerstandsfähig, befördert eine Durchhaltementalität, die nahezu allen Lebenslagen gewachsen ist. Daher dieser (manchmal deprimierende) zähneknirschende Optimismus, dieses starrsinnig wirkende Aufrechterhalten von Haltung und Ordnung, um durch „die schlechte Zeit“ zu kommen. Statt einfach zu kapitulieren, die Flinte ins Korn zu schmeißen, die Sache zu beenden. Nein, es wird unverdrossen, wenn auch zuweilen mißmutig weitergemacht.


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