Aufgesetzt

Während der Fahrt durch die Städtchen und Dörfer Berlins: Blick aus dem Fenster des geheizten Abteils, ein Blick von unten die verstrüppte Böschung hinauf, wo oberhalb der Gleisschneise die Mietshäuser stehen, grau oder andersfarben. Man schaut aus dem Fenster, als gäbe es etwas zu sehen. Fassaden. Man sieht kaum mehr als Fassaden. Ich empfand das gestern als angenehm. Nichts dahinter. (Was nicht stimmt.) Beim Halt des Zuges genügend Zeit, die Gesichter und Körper der Einsteigenden zu betrachten. Was mich interessiert: ob sie den Kopf noch über Wasser halten können. All die Abgesoffenen in dieser sandigen Stadt. In manchen Blicken ein Flehen, in anderen etwas Erloschenes. Wer das Haus verläßt, muß sich zeigen. Das ist nicht leicht. Man müßte an der Garderobe ein passendes Gesicht aus der Schublade ziehen, eins für Weg und Fahrt, ein zweites für die Arbeit, ein drittes für danach. (In Wirklichkeit benötigt man noch einige mehr.) Diese Gesichter gehören zur Profiausstattung eines versierten Zeitgenossen, der unterwegs ist unter Menschen und sehr genau weiß, daß er betrachtet und eingestuft wird. Hin und wieder begegnet man welchen, die ihre Gesichtsmaske vergessen haben. Das ist schön und schrecklich, denn sie sind ohne Schutz. Heute scheint die Sonne, der Himmel ist kalt, hoch und blau. Ein paar Wölkchen dekorieren.


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