Nicht zu laut atmen

Bericht über irakische Flüchtlingsfamilien, die nach monatelangem Warten auf Registrierung, untergebracht in Turnhallen, Berlin entnervt verlassen und es vorziehen, in ihre gefährliche Heimat zurückzufliegen. Sie haben von Deutschland nicht viel gesehen, aber genug erfahren, um nicht länger bleiben zu wollen. Selbst ich nehme Deutschland als eher kaltes und hartes Land wahr, in dem es sehr darauf ankommt, nichts falsch zu machen, und fast jeder darauf bedacht ist, um Gottes Willen nicht aufzufallen. Sich einzufügen ist hierzulande höchste Tugend. Noch immer ein Land der vielen Verbote, in dem man sich dauernd richten soll. Die Blicke der Nachbarn, die öffentliche Meinung, der eigene Ruf. Niemand geht ungezwungen aus sich heraus. Sich zurückzuhalten ist hier gute Art. Manchmal rührt mich das und ich möchte meine schüchternen Landsleute streicheln und aufmuntern, damit sie sich etwas Schönes oder Gutes zutrauen. Sie sollen auch nicht immer so streberhaft alles richtig machen wollen. Das ärgert mich, denn ich finde es würdelos, und ich mag nicht der Landsmann würdeloser Menschen sein. Land der Schüler und Lehrer auf endlos langem Weg in die Freiheit der Selbstbefreiung.


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