Ausatmen

Grau ist abgestuft, facettenreich (wie das Schuppenkleid eines Südseefischs, hätte ich fast geschrieben), changierend, vielfältig ausdeutbar. Man wird nicht fertig damit, sucht jedesmal, wenn Grau anfällt, erneuerten Zugang. Heute tauchte, überraschend genug, der Gedanke auf, wie sich mein weiteres Leben gestaltete, wenn ich Zuflucht an der englischen Südküste nähme. Zuflucht ist zu dramatisch, ich fliehe nichts und niemanden. Vielleicht habe ich gestern Bilder gesehen oder jemand hat mir etwas erzählt oder ich träumte davon, jedenfalls drängt sich der milde Süden Englands in mein Bewußtsein. Mein Englisch ist mäßig, wenn nicht schlecht. Ich werde vermutlich hierzulande bleiben, da hier die Leute leben, die ich mag und kenne und mit denen ich durch die Tage und Jahre des gemeinsamen Lebens gehe, gleite, fliege, schieße. Doch könnte es eines Tages einen inneren Befehl (oder sei es ein Wunsch) geben, der mich woanders sieht, in anderer Umgebung, wo auch Blumen blühen und Winde wehen, Menschen leben und sich geben. Ich muß es nicht planen, es kommt auf mich zu.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Ausatmen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert