Unterdessen gewinnt die deutsche Handballnationalmannschaft in Polen den Europameistertitel und schlägt den haushohen Favoriten Spanien mit 24:17. Das jüngste Team des Turniers, lauter Neulinge (deshalb nennen sie sich die Bad Boys), spielt sich in einen Rausch und ist dennoch hochkonzentriert. Der Torwart läßt die spanischen Routiniers verzweifeln, die Abwehr ist hellwach und aggressiv, dem Gegner fällt buchstäblich nichts mehr ein. Ein sehr deutliches Ergebnis. Die Verlierer gratulieren respektvoll, die Sieger wissen noch nicht, was geschehen ist. Ihr Glück überströmt sie wie eine gewaltige Welle. Sie hüpfen und reißen die Arme nach oben, übergießen sich mit Champagner, umarmen sich, lachen, schütteln die Köpfe, können es nicht fassen, sind trunken und albern herum wie kleine menschliche Wesen in einer abgeschlossenen Welt vor Erfindung des blutigen Ernstes. Den Ernst (der Bewährung) haben sie hinter sich, darin liegt ihr Glück. Sie haben sich machtvoll befreit. Ihr Glück liegt auch darin, daß Sport ein Spiel ist, was immer hinten herum dazugetan wird, es zu instrumentalisieren und auszudeuten als ein anderes. Handball ist viel zu spannend, um es dauerhaft ertragen zu können. Das Tempo ist atemberaubend, die Reflexe unfaßbar, die Bewegungen der Körper zeigen, was Geistesgegenwart bedeutet.
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