Gespräch zwischen zwei Erwachsenen: ein Thema, unterschiedliche Ansichten. Das geht eine Zeitlang gut, bis zu jenem Moment, da einer der beiden Gesprächspartner plötzlich nicht mehr zuhört. Der andere spricht noch, doch spricht er ins Leere. Diese Leere ähnelt einer Schlucht oder einer Klippe. Die Worte stürzen unbeachtet in die Tiefe. Ihm gegenüber befindet sich nichts mehr, das sie zu hören und aufzunehmen bereit ist. Der Austausch ist aufgekündigt, der Partner ist raus, die Verständigung dahin, das Spiel zuende. Es kann nicht wieder aufgenommen werden. Wenig später möchte der, der eben ausstieg, indem er die Brücke abriß, ein anderes Thema anschneiden, ein neues Spiel beginnen …
Wir wohnen einem Akt unverfrorener Mißachtung des Gegenübers bei, selbstherrlich und egoistisch ausgeführt, ohne jede Partnerschaftlichkeit. Der Mißachtete weiß nun, wozu er gut genug ist: Stichwortgeber zu sein und Resonanzraum. Jene „starke Persönlichkeit“ ihm gegenüber betreibt pure Machtpolitik, die auf Expansion abzielt: Ausweitung und Besetzung. Sie ist an Gewogenheit interessiert, benötigt eifrig zuhörende Untergebene und Bewunderer. Da lebt sich Herrschsucht unvermittelt aus. Oder handelt es sich um Ignoranz, Desinteresse, Stumpfsinn?
Dieses eigenmächtige Aussteigen aus einem laufenden Gespräch hielt ich früher für eine Schrulle alter Menschen, die nichts Neues oder Erschütterndes mehr aufzunehmen vermögen und ein eigenartiges Talent entwickeln, Mißliebiges aus den Aussagen anderer, meist geliebter Menschen auszusieben. Eine Art von Realitätsverlust, der dazu dient, die eigene Wertestruktur unbeschadet zu halten. („Davon will ich gar nichts wissen.“) Taucht dieses gezielte Weghören bei Jüngeren auf, weist es auf einen schwachen Geist hin, der es sich (noch) nicht leisten kann, unangenehme Gegenargumente zu vernehmen und zu bedenken.
Machtpolitik haben stets die Schwachen nötig.
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