Glanz

In einem Flußbett funkeln die Steine. Die Forelle scheint im fließend klaren Wasser zu stehen. Unmerkliche Bewegung ihrer Flossen. Sie spürt die leisteste Veränderung und reagiert blitzschnell. Es ist Sommer, das Gras am Saum des Flusses steht hoch und grün. Weiter unten planschen die anderen und bespritzen sich. Ich kümmere mich um die Kieselsteine, die so wunderbar leuchten. Entnehme ich sie dem Wasser, verlieren sie ihren Glanz und wirken stumpf und gewöhnlich. Lege ich sie zurück ins Wasser, leuchten sie erneut, schöner noch als zuvor. Als wären sie im Gewässer glücklich. Da ich weiß, daß Steine fühllos sind (das wurde festgestellt), verbessere ich: als wären sie richtig, als gehörten sie in dieses Flußbett, den Ort ihrer schönsten Geltung. Niemand soll sie entnehmen und besitzen wollen. Ich denke an die Steine auf meinen Tischen, Fensterbänken, Regalbrettern. Die kommen von sonstwo. Manche wurden mir geschenkt, andere nahm ich selbst. Steine sind stumm. Sie können mehrere tausend Jahre herumliegen. Das macht ihnen nichts aus. Doch im Flußbett verwandeln sie sich und wirken fröhlich. Das ist das richtige Wort.


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