Wochen und Monate nicht gelesen. Allenfalls überflogen, zur Kenntnis genommen, bearbeitet, professionell. Bruchteile der Aufmerksamkeit dorthin gewendet, wo tote, sagen wir: schlafende Buchstaben warten, daß jemand sie erweckt, entzündet und hineinbläst in dieses Feuer mit der ganzen Wucht eines hungrigen, eines begierigen Geistes. Monate eines unbestimmten Zuviels. Im Schiffsbauch die Ladung, so schwer und wuchtig wie Grabsteine von Verstorbenen, derer niemand mehr gedenkt. Wohin die große Fahrt, wo wird solche Ladung gelöscht? Verpulvert an mich auch die Schönheit und Mühe, ich stand abgewandt, Blick auf Wolken oder Blödsinn, der zu fesseln vermag wie eine Schlägerei an der Straßenecke oder die Schlagzeile URSACHE WAR OFFENBAR MENSCHLICHES VERSAGEN. Deshalb beschäftigt mich Geistesgegenwart, weil ich tagsüber träume und wegtrete und gespenstisch lebendig wirke. Meistens bin ich ganz woanders – doch wo? Sehe ich mich um, gespenstern auch die anderen. Wo begegnen wir uns denn, wenn wir voreinander stehen und Wörter austeilen? Doch nicht im Geist. Das kann mir niemand weismachen. Eher schon in einem tieferen Sinn, der sich nicht gleich offenbart, aber später, Jahre später oder Jahrzehnte, aufragt zu seiner wirklichen Bedeutung. Mit solchen Verzögerungen ist zu rechnen. Heute habe ich erstmals wieder gelesen. Ein paar tröstende Sätze aus An der Zeitmauer.
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