Es ist nur so, daß die Welt mit allem, was dazugehört, jeden Tag und seit Beginn meines Lebens auf mich einschlägt, fast ohne Unterlaß, und daß dieses Schlagen und Streicheln, jedenfalls Berühren, hineinwirkt und einwirkt auf meinen Verstand und mich herausfordert. Heraus! Ich kann das unmöglich unkommentiert lassen, was da hereinkommt. Herein! Dann ist es drinnen und kreist und west und spukt und macht mich halb verrückt. Es zieht dort Bahnen und treibt sein Unwesen wie eine Räuberbande oder ein Konsortium aus stillen Teilhabern. Das kann nicht unkommentiert bleiben. Ich nehme diese Eingriffe unwidersprochen nicht hin. Ich will reden wie jeder andere auch. Ich schule meine Stimme, damit wenigstens ich mir allmählich zu trauen beginne. Dieses Phrasenhafte in fast allem, was gesprochen wird. So entsetzlich. Dann wieder weiß doch jeder, daß die Sprache mit allem, was sie hat, gemeinsam sein muß, um mehr zu sein als privat bedeutsame Lautbildung. Das bedeutet doch teilen: Austausch des Bedeutsamen, damit wir weiter kommen und nicht stagnieren und einsinken im Sumpf des Gewesenen. Auch die Sprache und das Sprechen muß sich reinigen und schütteln und häuten, damit das tote Zeug abfällt, der kalte und trockene Rest des bereits Gelebten und keinesfalls Wiederholbaren. Man holt sowieso nichts wieder. Lauter idiotische Ideen von Leben und Sein in den Köpfen, auch in meinem. Das ist nicht schlimm, nicht verwerflich, nur darf es hinaus. Ich jedenfalls will mich erleichtern, und zwar heftig. Das Sentimentale ist das Treue, und Treue ist schön und wert. Nur daß die Treue zu verwischenden Vergangenheiten und Figuren des Einstmals eine symbolische ist und mehr nicht. Auch ich reise in den Zeiten hin und her wie jeder andere auch und komme mir vor wie ein Geschäftsmann oder Klinkenputzer oder Hausierer oder Bettler. Eine milde Gabe aus dem Gestern. Schwachsinn. Gestern ist das tote Laub am alten Rosenstrauch, der nächstens neu blühen wird und sich nicht schert um Verdienste wie jene des Blattes aus der letzten Saison, das treu noch baumelt, weil der Sturm nicht kam. Schreiben, weil das konzentriertes Sagen ist, und Sagen, weil das Handeln ist und eigener Beitrag zu all dem, was in mich gelegt und bei mir abgelegt wurde, ohne daß ich gefragt, ohne daß ich zugestimmt habe. Ich habe nicht zugestimmt. Mag sein, daß meine Leute (Menschen) zugestimmt haben. Ich habe das nie getan. Ich wurde in alle geltenden Verträge hineingeboren. Sind die so schlimm? Weiß ich nicht. Ich probiere sie für mich aus. Darüber möchte ich sprechen, wie über vieles andere auch. Manchmal weitschweifig, lieber konzentriert. Es ist meine Art zu verstehen. Das wollte ich schreiben, als ich diese Zeilen begann. Meinetwegen ist das ποίησις. Es geht um den Konter, damit alle sich gut oder besser verstehen. Ich kann unmöglich nur Frage sein. Niemand kann das. Es muß eine Antwort möglich sein. Jederzeit.
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