Die Mimen

Sie betraten zu dritt die Bahn, und sofort wurde deutlich, daß sie Schauspieler sein mußten. Wie der in der Marinejacke mit den goldenen Knöpfen seine Füße in den Schnürstiefeletten stellte, wie der andere beim Sprechen ausholte und einen Siegelring trug, der Weltgeltung symbolisierte. Die Frau, die ihnen zuhörte, war möglicherweise nicht vom Fach. Sie stand so schlicht und gerade zwischen diesen beiden Männern, die laut und überdeutlich sprachen, obwohl es nur um eine Umleitung des Straßenverkehrs ging, die nötig wurde, weil der israelische Ministerpräsident zu Besuch war. Jetzt wissen auch wir anderen, daß morgen um 10 Uhr Probe ist. Sie redeten, als sei das Gesprochene nur zu einem gewissen Teil für die Gesprächspartner bestimmt, zu einem anderen, größen Teil jedoch für das geschätzte Publikum. Ich kannte einmal eine Schauspielerin, die sagte deshalb: Ich gehe grundsätzlich nicht mit Kollegen aus. Sie sagte: Die spielen immer weiter, obwohl das Stück längst aus ist. Ein bißchen ist das aber auch amüsant. Man bekommt von Schauspielern fast immer eine kleine Vorstellung geboten. Als Gesprächspartner käme ich mir sicher mißbraucht vor, wüßte ich nicht, daß sie nicht anders können. Sie reden zur vierten Wand, hinter der jene sitzen, die den Beifall spenden. Und sie spielen auch gern.


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