Als ich noch rauchte, wußte ich, was zu tun war: eine Zigarette drehen, sie anzünden. Den ersten Zug nehmen und den Tabak im Mund, dann in der Lunge spüren. Den Rauch ausatmen und ihm zusehen, wie er im Raum Gespinste webt, die sich nur sehr allmählich auflösen, ehe sie unsichtbar werden. Der Rauch bildet Schleier und luftige Wogen, unerwartete Kreise und flüchtige Spiralen. Ein Geheimnis wohnt ihm inne, eine ungreifbare Weisheit, die Figuren bildet und sie sogleich wieder verwirft. Als bilde sich Schöpfung ab, die immer gibt und zugleich wieder nimmt. Das Rauchopfer: Verbindung der Erde zum Himmel. Lufthauch des Geistes. Nicht das eilige und schnelle Rauchen, das in einen Zwischenraum (Pause) gepreßt wird und sich von anderen Akten der Notdurft nicht wesentlich unterscheidet. Sondern echtes Rauchen, konzentriert und entspannt, nehmend und gebend, erwartungsvoll. Als ich noch rauchte, wußte ich, was zu tun war.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.