Aufgewacht mit dem Gedanken an Geld, daran, daß manche viel Geld, sehr viel Geld und noch mehr Geld haben möchten. Wie teuer uns das zu stehen kommt. Ich sehe die tollen Teams in den Marketingabteilungen, wie sie schwitzen und brüten, um neue Produkte zu erfinden, die den Gewinn des Unternehmens erhöhen, ohne daß es den Kunden auffällt, besser noch so, daß sie sich freuen und zugreifen und kaufen oder buchen. Wer sich mit Telephontarifen beschäftigt, wird nach wenigen Minuten wahnsinnig.
Vor mir liegt ein Prospekt von Rewe Reisen, „Urlaubskracher zum Neuen Jahr“, eine Kreuzfahrt durch das westliche Mittelmeer, all inclusive, 7 Nächte p.P. ab 899 €*. * bedeutet: bei Buchung ab dem 31.1.2016 erhöhen sich die Preise um € 500. Woraus folgt: „Flug, Transfer und Serviceentgelt im Wert von € 500 geschenkt“. Das Schiff ist die Norwegian Epic, Menschenstapelei, ein Marzahn auf dem Wasser, wie Jutta sagte. Das Werbeblättchen ist ein paar Wochen alt, der Urlaubskracher ist längst erfolgreich zerknallt.
Preise erhöhen sich selbst. Sie tun das von sich aus, fragen nicht nach. Ende Januar haben sie die Nase voll, ihnen ist langweilig oder sie grämen sich ihrer geringen Größe. Auch die Aktionäre werden unzufrieden und beschweren sich beim Aufsichtsrat. Sie fordern mehr Rendite. Ihr Geld soll gefälligst arbeiten und nicht faul herumliegen und dösen. Irgendwer wird sich doch irgendwo noch auspressen lassen. Derweil absolviert der kleine Mieter seinen ersten Crashkurs in Sachen kapitalistischer Marktlogik und beutet den Unter- oder Zwischenmieter aus. Der Markt gibt das her, so läuft das heute, alle tun es.
Und wir, die wir bei diesen Spielen nicht mitmachen? Wir nennen unsere relative Armut Bedürfnislosigkeit und finden solche schmierigen Geldleute überall. Sie haben den Planeten vollständig erobert und kontaminieren die Gärten des Lebens. In den Geschichtsbüchern der Zukunft wird von einer um sich greifenden Geisteskrankheit geschrieben stehen, derer sich niemand mehr zu erwehren vermochte und die alles verheerte und in den Abgrund riß. Die Zielrichtung dieser hochansteckenden Geisteskrankheit ist die Selbstvernichtung einer Weltzivilisation. Anschließend gibt es dann wieder die üblichen Tränen.
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