Der leblose Körper

Am Tod und an den Toten haben die Lebenden sich zu bewähren. Wo Leichen nur noch im Weg liegen, eilig verscharrt werden oder nicht einmal das, ist auch das Leben nichts mehr wert. Deshalb müssen die Toten geehrt werden. Wir sind mit ihnen verbunden, ob uns das deutlich ist oder nicht. Eben das bedeutet Kultur: die Welt als Heimstätte, als Wohnung, durch die man hindurchzieht in flüchtigem Kleid. Was anschließend geschieht, werden wir sehen. Doch der leblose Leib muß gebettet werden. Ihn anschließend einzugraben, einzumauern, zu verbrennen oder von den Tieren verspeisen zu lassen ist ein anderes. Vermutlich fürchtete man sich und ersann Methoden, wie mit dem kalten und unheimlich gewordenen Körper umzugehen sei. Man mag ihn nicht ausstopfen und in eine Vitrine stellen. Die Jäger tun das mit erlegtem Großwild. Der Mensch ist keine Trophäe, kein Beutestück des Jagderfolgs. Er darf nicht zum Objekt werden. Daher die zahlreichen und interessanten Bemühungen, diesen endgültigen Abschied zu gestalten. Ohne solche Kultur fielen wir in Zustände nackter Barbarei. Die würde nicht lange ertragen werden. Bald schon erstünden neue Riten. Wir sind uns etwas wert.


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