Kritiken sind Klagegesänge, Beschwerden über Fehlgeleitetes und Verunglücktes. Zugleich enthalten sie Warnung und Hinweis. Die Rückseite des Nein ist ein Ja. Auf diese Weise sollten kritische Texte gegengelesen werden, sonst verharrt man im Negativen. Die meisten Kritiken entstehen im Notwehrmodus. Eine Gegenwart wird als zudringlich und unverschämt empfunden. Sie überschreitet Grenzen und muß symbolisch zurückgewiesen werden. Der Kritiker übt sich an ihr und schärft die Waffen. Seine Waffen sind Worte. Hinter den Worten stehen die Gewalten von Sinn und Bedeutung. Sie werden nun aufgerufen.
Die gesellschaftspolitische Kritik hat sich in die Krise manövriert. Nach den Jahrzehnten ihres exzessiven Gebrauchs geriet sie in den Zustand einer lang anhaltenden Erschöpfung, von der sie sich bis heute nicht erholt hat. Das utopische Potential der Gegenentwürfe zu dem was ist scheint aufgebraucht oder hat sich nicht erneuert. Mit ein bißchen Kapitalismuskritik ist es nicht getan. Die Gegner der „Globalisierung“ wirken harmlos und putzig. Anderswo nennen sie sich heilige Krieger und sind fanatische Feinde. Doch die große Krake wird alles absorbieren.
Endlich wird sie sich auf der Suche nach Nahrung selbst zerfleischen. Das ist der Moment, wenn die Rückseite des Nein sichtbar werden muß. Bis dahin laufen die Erprobungsphasen eines anderen und besseren Lebens im kleinen Kreis. Wie wir denken, wie wir sprechen und wie wir handeln. Nichts von Belang ist „nur“.
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