Wer an gesellschaftliche Positionen glaubt und sie anstrebt, wird sich gehorsam zeigen, wenn die Autorität spricht. Ein Redakteur spricht nach den Anschlägen in Brüssel zu den Lesern seines Blattes und Online-Magazins wie ein Bundespräsident oder der Vorsitzende einer Landeskirche: viel Wir, Grundwerte und Selbstverständliches. Daß er wie zu Kindern oder Konfirmanden spricht, fällt auf und verstört. Unentwegt erziehen Deutsche sich selbst und diejenigen, die ihnen zuzuhören vermögen. Ein pädagogisches Volk. Warum nur stelle ich mir vor, sie sähen, während sie sprechen und verkündigen, in den Spiegel und prüften, ob überzeugend klinge, was sie als jüngste Erkenntnis der deutschen und europäischen Geschichte auftischen? Sollten sie mehr mit ihrer Vergangenheit beschäftigt sein, als ihnen lieb und bewußt ist? Das ist eine rhetorische Frage. Sie führt zurück zur Autorität. Wer an sie glaubt, wird sich verhalten, als sei er selbst Teil dieser Instanz.
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