Unerreichtes Gebiet

Das Bewußtsein spielt sich im Schlaf Bilder vor. Eine private Kinovorführung für einmalige Filme in einem abgeschlossenen Raum der Nacht. Fühlkino, vor dem alles, was in Schöne neue Welt technisch realisiert scheint, verblassen muß. (Die sinnliche Erfahrung bleibt dort ans Kollektiv gebunden.) Die raumzeitliche Ordnung ist außer Kraft gesetzt, die Abfolge von Ursache und Wirkung aufgehoben. Die Logik des Traums ist assoziativ. Durch Träume erfahre ich, wer ich außerdem noch bin. Das hat etwas Märchenhaftes. Die Welt ist voller Reichtümer und Gefahren.

Verglichen mit Traumland erscheint die geteilte und mitgeteilte Wirklichkeit aller Tage wie ein flaches Stück lieblos gebackenen Kuchens oder einer Pizza mit Einheitssoße, der ich mit ein paar Gewürzen etwas Geschmack beibringen soll. Eine errechnete und ausgerechnete Wirklichkeit, an der alles an seinem Platz steht und zuverlässig den Dienst erfüllt. Nur Kinder und Tiere und Betrunkene und Verrückte bringen etwas Bewegung in diesen gewöhnlichen Einrichtungszustand. Was es zu genießen gibt, schmeckt nach durchschnittlicher Begabung. Menschen öffnen Münder und sagen, was gesagt wird. Nur hin und wieder merke ich noch auf. Meist dann, wenn die Ungeübten sprechen.

Gegenüber dem herkömmlichen Kino ist der Traum noch in anderer Hinsicht überlegen: er läßt mich mitspielen und umgreift mich. In den Computerspielen scheint etwas von diesem Vermögen auf, nur daß deren Welten dem Design des wachen Bewußtseins folgen, das sich der Bilder erinnert, die es dort drüben jederzeit gibt, und sie nachzeichnet. Diese Spiele sind Poesie oder tendieren dazu, sie zu ersetzen. Leider wird alles geliefert, deshalb hängen sie an Huxley fest. Jeder kann in sie eintreten und sieht das Nämliche. Ein fabriziertes Allerweltsstaunen das Ergebnis. Der Traum bleibt vorerst unerreicht.


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