Tom Tykwer zu deutschen Fernsehserien: „Wir fangen doch gerade erst an. Die Amerikaner haben viel früher damit begonnen und deshalb einen großen Vorsprung.“ Derzeit arbeitet Tykwer an einer Serienverfilmung der Kriminalromane von Volker Kutscher, der seinen Protagonisten Gereon Rath in bisher fünf Büchern als „Mordermittler am Alexanderplatz“ agieren läßt. 1929 tritt Rath seinen Dienst an. Er ist dreißig Jahre alt, stammt aus Köln, hat dort einen Mann getötet und anfangs einige Mühe, sich in „Spree-Chicago“ (Walther Rathenau) zurechtzufinden, lernt aber schnell. Er arbeitet im Polizeipräsidium unter Kriminalrat Ernst Gennat, einer kriminalistischen Legende, geschätzte 135 Kilogramm schwer, Spitzname: Buddha. Nachdem ihm in Köln sein Leben zerbrach, fängt Rath noch einmal von vorn an.
Es gab die Fallada-Verfilmungen der siebziger Jahre (Ein Mann will nach oben mit Mathieu Carrière), Fassbinders Berlin Alexanderplatz, einige Spielfilme mehr. Demnächst nun Berlin Babylon von Tykwer. Endlich wird „Weimar“ wiederentdeckt, die für uns heute interessanteste und relevanteste Phase deutscher Geschichte des vergangenen Jahrhunderts. Mit der Weimarer Republik beginnt die Unübersichtlichkeit der politischen und ökonomischen Geschäfte, wie sie kennzeichnend ist für einen Staat, in dem sich neue Hierarchien ausbilden, festigen und behaupten müssen. Berlin als modernste Stadt der Welt, die elektrische Nacht. Die Kriegsheimkehrer, die nicht heimkehren, Freikorps. Reden und Versammlungen, Reformer und Revolutionäre. Die Attentate. Der Film. Das Heer der Arbeitslosen, der Aufmarsch der politischen Extreme. Die Industriebarone, die Gewerkschaftsführer. Sozialer Wohnungsbau. Die Maler der Neuen Sachlichkeit. Die Sportspektakel, das Schieberwesen, die Korruption. Die Kultur der Angestellten. Die Inflation, das Elend. Ein paar kluge Köpfe, Strategen wie Rathenau oder Stresemann.
Ich sehe den Sandwich-Mann vor mir: Suche Arbeit, nehme jede Beschäftigung an. Menschen ziehen ihr Hab und Gut mit einem Bollerwagen über das Pflaster. Auf den Dächern stehen Männer, die erst auf Tauben, dann auf Menschen schießen. Sie sind durchgedreht, halten es nicht mehr aus. In den Wohnungen verhungern Menschen. Woanders wird gefeiert, der Sekt fließt wie aus einem Springbrunnen von Kelch zu Kelch, die Band spielt auf zum Tanz. Alle Welt prostituiert sich, die Werte sind nichts mehr wert. Die arroganten Russen sind längst weiter, sie wußten warum. Es gibt kein morgen. Es geht ums Überleben. – Das ist Serienstoff aus Deutschland. Man muß ihn nur aufheben, bearbeiten und verstehen. Erst verstehen, dann bearbeiten.
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