Zählen und zahlen

Fast bricht es mir das Herz, daß ich heute nichts mehr werde schreiben können, hier nicht, denn ich habe etwas anderes zu tun. Schreiben klingt nach Arbeit und Anstrengung, und sicher ist sie das zuweilen, doch eigentlich sollte das Schreiben vollkommen natürlich sein, so natürlich wie wissendes und überlegtes Sprechen oder wildes und unüberlegtes, falls das der Situation entspricht. Ich mag auch nicht, wenn Autoren über ihre Schwierigkeiten mit dem Schreiben lamentieren. (Das Leben ist ein Jammertal, parodierte in meinem Stadtquartier ein Wirt seine annehmbare Existenzproblematik.) Niemand hat einem Autor aufgetragen, täglich produktiv zu sein und wie eine Buchstabenfabrik nebst angeschlossener Setzerei permanent und fast schon penetrant Produkte auszuspucken, die den Namen einer Marke tragen, zu der sich der Autor als Verursacher oder Mitwirkender dieses Mißverständnisses positiv verhalten soll, da er zu acht bis zehn Prozent an den Einnahmen aus dem Verkauf jener Markenprodukte beteiligt ist. Es war und ist nicht gut, daß die Autoren, sofern sie Dichter sind oder Poeten, auf den Rummel gehen, um bei der anstehenden Tombola auf den Hauptgewinn zu hoffen. Nicht daß Geld und Gewinn ihnen schnuppe sein sollten, keineswegs. Nur sollten sie sich nicht verwechseln. Wer Geld machen will, schreibt Werbe- oder Schlagertexte oder macht seine Talente anderweitig lukrativ. Poesie ist das Vermögen, aus dem Nichts eine Welt zu errichten, als sei man ein kleiner spielender Gott. Darin vollkommen frei, an niemanden gebunden, niemandem rechenschaftspflichtig, allein dem Ethos des wahrhaftigen Sprechens und Verstehens unterworfen. Dem hat sich der Rest unterzuordnen. Deshalb sucht ein Autor niemals einen Verlag, sondern der Verlag findet seine Autoren. Überhaupt scheinen einige Verbindungen der Revision zu bedürfen. Die ökonomischen Relationen werden den Ergebnissen dieser Revision anzugleichen sein. Wem gehört was und warum? Die Debatte der nächsten Jahre, wenn die Idiotenthemen durch sind und die Fanatiker und Gegenfanatiker sich umschlungen haben im Grab einstweiliger Vergessenheit.


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