„Es bleibt schwierig“, versprach Walter Giller Locker vom Hocker von 1979 bis 1987. „Alles wird gut“, behauptete Nina Ruge in Leute heute von 1997 bis 2007. Von der Skepsis ins Affirmative. Der Fortschritt besteht darin, ungeniert ungedeckte Schecks auszustellen und über sie manipulativ eine Wunschwährung zu aktivieren: haftungsfreie Sehnsuchtsmelodie mit blumigen Versprechungen. Werbewirtschaft mit Aufwand, doch wofür? Lohnt es sich denn und für wen? Gut, „die Leute“ wollen das hören … Was denn, was möchten die Leute hören, und wer ist sich so sicher, daß „die Leute“ das hören möchten? Ungeklärte Fragen und rätselhafte Einschaltquoten und die zwiespältige Kunst ihrer Deutung. Es gibt die Sendungen, die Namen, die Verantwortlichen, die Sendezeiten, die Dokumente. Mögen Spätere sich angewidert zeigen oder neugierig. Forschungsprojekte naher Zukunft. Wir derzeit Lebenden haben das ertragen.
Dieses Land wurde über der Vereinigung seiner zersprengten Landesteile debilisiert und infantilisiert. Beides läuft in etwa auf eines. Bring die Truppe zusammen, schweiße sie ein, gefriere sie trocken und haltbar oder umgekehrt. Mache sie keimfrei, mache sie froh. Oh ja, froh so gern! Seitdem leben wir ostwest in den Verhältnissen der Bejubelung und des Entsetzens. Beides ist durchaus nicht nötig. Eine Seite war vorerst stärker. Ich würde die Klassiker des historischen Materialismus auswendig lernen müssen, um die Erlaubnis zu erhalten, hier Weisheiten zu verbraten (sofern der Betrieb und Unterhalt dieser Seite erlaubt, gestattet, abgenommen, genehmigt, befürwortet, bestempelt, erwünscht, für unbedenklich erklärt würde). Ich könnte deutlich stärker auf die Werte der westlichen Welt verpflichtet werden, wenn fortan Gesinnung gefragt wäre in den Gefilden unseres Streunens und Wähnens. „Der Westen“ ist raffiniert.
Auf eine schräge, in Teilen verwerfliche Art ging die Vereinigung „gut“. Irgendwer lacht sich ins Fäustchen, hoffe ich. Denn sonst hätten einige viele umsonst gelitten. Wenigstens die, die sich ins Fäustchen lachen, sollen es gut haben. Wenn nicht einmal „die“ es gut haben, wer denn sonst? Am Ende noch wir selbst? Soweit kommt es noch, das hat es nie gegeben, wohin kommen wir denn dann? „Dann“ ist jene Zeit, die ich mir ausmale. Sie wird nicht besser, sie wird anders sein. Sie wird nicht behaupten, sie sei gut oder gerecht. Denn sie wird nicht lügen oder Lügen verbreiten. Zugleich fürchte ich eine solche Zeit und hoffe, mich dennoch verständlich gemacht zu haben. Utopia ist kein guter Ort.
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