Die Nacht macht den Tag lebendig. Beim Gurkeraffeln für Tsatsiki achtete ich auf meine Fingerkuppen und -nägel, doch blieb genug Platz für die Landung eines kleinen Gedankenganges, desjenigen nämlich, was „überzeugt sein von sich“ bedeuten mag. Muß ich mich denn wirklich erst von mir überzeugen – und weiter noch: wie soll das funktionieren? Jeder von uns kennt dieses Bruchstück der Charakterisierung eines anderen: „ist sehr überzeugt von sich“. Mich schreckt das sofort ab. Ich mag Leute nicht, über die solches gesagt wird. Ich vermute Schauspielerei, eine angelernte oder aufgesetzte Ich-trau-mir-das-zu-Gewißheit, wie sie der schlechte Personalchef bevorzugt oder eine leicht angetrunkene und manipulierbare Partygesellschaft. Das berüchtigte große Ego, das nach kurzem Inferno langweilt. Wer genug Liebe in sich hat, wird trösten.
Vorher Gespräch über Kinski, Vorname Klaus, „liebster Feind“ und mediales Scheusal. Ein peinvoller Selbstdarsteller und offenbar gar nicht überzeugt von sich. Daher die end- und aussichtlos anmutenden Versuche, die Welt (und über sie sich selbst) davon zu überzeugen, daß er jemand sei, dem Achtung gebührt, wenn nicht Verehrung. Desungeachtet bleibt mir der Gedanke dahinter fremd. Überzeugt sein von sich selbst, wahlweise auch: glaubt an sich. Ich glaube nicht an mich. Wozu sollte ich an mich glauben. Vielleicht bin ich selbstbewußt, mir demnach meiner selbst bewußt. Möglicherweise traue ich mir etwas zu oder weiß sogar, was ich kann (und nicht kann). Aber eine Selbstübertrumpfung möchte ich nicht anstreben. Ich bin kein Trumpf, aber ich spiele ein Blatt, in dem sich Trümpfe befinden. In solchen Sachen muß man genau sein. Daher die verschiedenen Wörter.
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