Weise werden, Erleuchtung erreichen, auf dem goldenen Pfad wandeln – man kann das nicht wollen. Doch, man kann es wollen, sogar mit aller Kraft, und wo ein Wille ist, ist bekanntlich auch ein Weg. Aber wohin führt der? Vermutlich zu noch mehr Wollen und so weiter fort von sich oder dem Eigentlichen. Das Eigentliche ist überall zu finden, es versteckt sich nicht eigens. Es zu erkennen benötigt dennoch seine Zeit. Ich kannte einmal einen, der meditierte sich fast um den Verstand. Er wurde immer wütender und aufbrausender, denn die Erleuchtung stellte sich nicht ein wie gewünscht; sie blieb etwas, von dem er bloß gelesen hatte. Er kannte viele Methoden und praktizierte sie eifrig. Mich erinnerte er an Peter Handke, so sehr zwang auch er sich zur Ruhe.
Weisheit und Erleuchtung sind nicht etwas, das man haben kann im Sinne von Besitz und Gut. Sie stellen sich ein, fast wie von selbst, etwa wie die Zugvögel im Frühjahr oder der Schnee im Winter. Es hat mit dem Schauen, dem Hören, dem Spüren und dem Verstehen zu tun. Deshalb gebe ich Henry Miller recht, wenn er darauf hinweist, daß die Mängel nicht in der Natur oder der Weltwirklichkeit liegen, sondern im Vermögen des Betrachters. Das Unvermögen, die Herrlichkeit zu erkennen, zu genießen und damit zu würdigen, sorgen für den Kladderadatsch, mit dem wir uns den halben Tag herumärgern müssen. Mittendrin wird man der Narretei müde und möchte schon resigniert aufgeben. Da erkennt man plötzlich, daß die Wanderung durch Matsch und Schmutz ein Teil des Wegstücks ist, ohne den das Schöne, das Gelungene und das Erhabene nicht erreicht werden können.
Während einem der Matsch an den Füßen klebt und die Schritte schwer werden, fällt es nicht leicht, das einzusehen. Ich würde niemals sagen, daß es mein Ziel ist, eines fernen Tages einmal weise zu sein. Immer weniger Blödsinn von sich zu geben – das ist ein gutes Ziel.
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