Die Nacht seufzt, die Gegenstände ruhen aus. Das schöne Denken kehrt zurück, nachdem so vieles Abwehr und Angriff war oder sein mußte. Turbulente Tage, rote Tage. Manche sind sich zum Fürchten, Hassen oder Töten fremd. Das liegt daran, daß sie nichts wissen oder wollen.
Gestern betrat eine Maus den Raum, huschte umher und ließ sich sehen; wir unterhielten uns weiter. Selbst große Menschen zeigen sich erschreckt, wenn kleine Mäuse überraschend antanzen.
Vor vier Tagen hing eine Taube kopfüber in einer Astgabel und hing dort fast wie tot. Dann sammelte sie ihre letzten Kräfte, unternahm eine neuerliche Anstrengung und schlug sich mit dem Schwung ihrer gespreizten Flügel frei. Ein nahezu tödliches Mißgeschick war ihr unterlaufen, eine unglückliche Wendung oder ungeschickte Drehung ihrer Krallenfüße auf dem Ast des Baumes an den Gleisen der Station Yorckstraße, wo fast immer was los ist.
Einmal schimpften dort Amseln. Sie schimpften wie die Rohrspatzen, weil eine Elster sich exakt dort umsah, wo sie zuhause sind. Dann landete wie ein grauschwarzer Friedensrichter eine Nebelkrähe und es wurde ruhig.
Kürzlich schnitten zwei Arbeiter mit Helm das Gleisbett frei, einer trug den Kanister, der andere schnitt mit der lauten Motorsense die Gräser und Sträucher. Die großen Königskerzen, für die es noch andere schöne Namen gibt, ließen sie stehen. Ich dachte leise: Danke. Eine Klasse Schulkinder war sehr beeindruckt von der Arbeit der Männer und jubelte und winkte ihnen zu. Der Schnitter schaltete das lärmende Gerät aus, nahm die Micky Mouse (Kapselgehörschützer) ab und erklärte den Kindern seinen und seines Kollegen Auftrag: „hier alles freischneiden, was der Bahn zu nahe kommt oder das Gleisbett beschädigt“. Die Kinder waren begeistert, denn die beiden Männer trugen leuchtende und reflektierende Arbeitskleidung, überdies noch Helme.
Die Nacht ist für die Nachtjäger. Einmal strich ein Uhu über mich hinweg, als ich im heimatlichen Wald eine kleine Nachtwanderung unternahm. Ich spürte den Luftzug seiner mächtigen Schwingen.
Im Erzgebirge gruben sie nach Uran und fuhren für die Pechblende (Uraninit) in die Erde bis auf 1.800 Meter Tiefe. Dort herrschen 65 °C, viele Bergleute starben, und nicht nur sie. Die Bilanz der SDAG Wismut von 1946-1990: eine Fördermenge von 200.000 Tonnen Uran, 14.592 meist tödliche Staublungen-Erkrankungen, 8.000 Krebstote, 772 tödliche Arbeitsunfälle. Bis heute jährlich 200 Neuerkrankungen. Deutschlands größtes Umweltsanierungsprojekt. Zum Beispiel Schlema im „Tal des Todes“, heute wieder Kurort und Heilbad (Radonquellen).
Das waren die Themen der Nacht. Ihr Zusammenhang ist nur lose gegeben.
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