Plakatmission und weiter

Manchmal während der Fahrten ein kleiner Satz, ein wortgewordener Gedanke, der Splitter einer Idee. Den merke ich mir! Jetzt weiß ich nur noch, daß ich vor großen Plakaten stand. Eines wies darauf hin, daß Jesus die Auferstehung und das Leben sei – auf Deutsch und Arabisch. Ein Hinweis auf Johannes 11, 25. „Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt.“ Eine Telephonnummer, um kostenlos das Neue Testament zu bestellen. Christlicher Plakatdienst. Da kam mir noch nicht die Idee, nach der ich jetzt suche. Missionare rühren mich ja ein wenig, selbst wenn ich weiß, wie penetrant sie vorgehen und mit welchem Eifer sie überzeugt sind, den wahren und richtigen Weg zu kennen. Manche morden dafür, wir erleben es oder lesen es nach in den Büchern der Geschichte. Da ich Freiheit benötige wie die Luft zum Atmen und ersticke, wenn man mir Vorschriften machen möchte, verteidige ich umgekehrt jede Art von Anders- oder Nichtgläubigkeit. Aber vielleicht haben die Bekehrten ein ungestilltes Verlangen nach Blut und möchten ihrem Gott Opfer darbieten. Doch was wäre das für ein Gott, der nicht das Viele und Unterschiedliche zu umfassen und zu würdigen verstünde? Ich bin stets hilflos und auch verlegen, wenn ich mit einem spreche, der in Glaubensdingen derart sendet, daß er nicht mehr empfängt. Ich spüre, daß er oder sie etwas benötigt, und zwar so dringend, daß alles andere zweitrangig zu werden beginnt: inneren Halt für den überforderten Geist. – Jetzt habe ich den Gedanken wieder. Er widmete sich dem Umstand, daß über wenige Zwischenglieder noch die gegensätzlichsten oder entferntesten Dinge und Sachverhalte miteinander verbunden sind. Das könnte ein wenig trösten, dachte ich mir. So unverbunden und isoliert, wie sich die eigene Existenz zuweilen darbietet, ist sie keineswegs. Auch die anderen, die ich sehe und erlebe, sind nicht annähernd so weit fort, wie sie mir an schlechten Tagen erscheinen. Ich möchte aber nicht, daß diese Wahrheit (sofern sie eine ist) sich an einen Glauben bindet. Es wäre eher eine Sache des Spürsinns und der Sensibilität, einer hellwachen Meditation.


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