Postkarten

In einer fremden Stadt und einer fremden Sprache unterwegs wie ein altes neugeborenes Kind. Die Straßen führen an ein Unbekanntes, die Plätze sammeln das Bewegte. Über den Dächern der schmalen Häuser ein Himmelsblau wie von der Palette eines Malers, der die Lust kennt und sich nicht fürchtet. Im Schatten der Mauern dösen die Katzen, die Torbögen öffnen sich weit. Mancherorts stehen Heilige in Stein. Durch das Schweigen der stillen Gärten trudeln die Schmetterlinge, im Gras sitzen kreisförmig die Wißbegierigen und besprechen den weiteren Tag. Im Hauch des Nachmittags bewegt sich der Vorhang, fettig klatschen die Flügel der Tauben. Hier versteht man sich auf einen Blick, was auch daran liegt, daß ich nichts anderes kann. Tage inmitten von Zurückhaltung und Freundlichkeit. Studenten legen unten einen Garten an. Die Sonnenterrasse auf dem Dachboden des Hauses ohne Dach: vor der hellroten Backsteinmauer zwei leere Stühle. Zu diesem Bild die Glockenschläge der nahen Kirche, ernst und lauter als der Hiphop aus dem Studentengarten. Sie trinken Bier und machen Pause, sie haben Zeit. Es gibt hier einen verwunschenen Park mit Bäumen so hoch wie die Welt und einem Baumriesen ohne Äste und Zweige, dessen Stamm eine sagenhafte Geschichte erzählt. Der heimliche Eingang zu dem ummauerten Park ist mit einer schweren rostigen Kette verhängt. Durch die Gitterstäbe geht der Blick allein einen moosgrünen Weg. Nur als Katze kommt man hinein. Die Lindensamen propellern durch die Luft. Bald ist Spätsommer, noch ist Hochsommer. Ich soll Postkarten schreiben, habe mir die Hausnummern gemerkt.


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