Grauschimmel

Eine nasse Straße, die Geschäfte haben geschlossen. Wolken über der kleinen Stadt, die schweren Lastzüge fahren auf der vierspurigen Umgehungsstraße Richtung Osten. Niemand sonst unterwegs, die Uhrzeit ist weg. Die Lichter der Tankstelle in den öligen Pfützen, zwischen den Fahrbahnen steht ein Pferd. Die beiden Jungen in den Allwetterjacken müssen nach Hause, kurven zweimal, dreimal noch um die Waschanlage, nicken dann stumm, trennen sich. Das Pferd, ein Grauschimmel, grast auf dem Grünstreifen zwischen den Fahrbahnen. Ein Bus hält, öffnet die Türen. Ein paar Menschen betreten das Tankstellengebäude, andere laufen auf und ab. Niemand sieht das Pferd. Sie steigen wieder ein, der Busfahrer schließt die Türen und fährt ab. Der Tankstellenkassierer sieht, wie der Bus abfährt, sieht den Grauschimmel, wie er zwischen die Zapfsäulen trabt, langsam. Die Jungen in den Allwetterjacken sind fort. Er ruft die 112, verläßt den Verkaufsraum, nähert sich dem Pferd, sagt: Gut, ja, gut. Dann möchte er es streicheln, faßt ins Leere. Ein neuer Kunde taucht auf: Alles in Ordnung, Meister? Er tankt voll, schließt die Klappe, betritt den Raum, geht zur Kasse, zahlt. Einsam hier, sagt er. Der Kassierer nickt, sagt aus Höflichkeit: Manchmal. Der Kunde geht, steigt in seinen schweren Wagen und braust davon. Der Kassierer ist noch nicht bereit. Die schweren Lastzüge zischen vorüber, das Wasser spritzt auf, denn es hat geregnet.


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