Seltsam, nachts noch zu gehen mit hallendem Schritt durch die leeren Straßen des Schalls. Wo sind die Menschen? Unwahrscheinlich, daß sie kurz nach Mitternacht bereits schlafen. Andererseits: erfuhr ich nicht heute, daß dieser Wahlbezirk einen grünen Kandidaten ins Abgeordnetenhaus schickt? Am Rand der Fahrbahn eine Sitzgruppe aus den siebziger Jahren, gemustert, der Fernseher zerschellt, nur die Bildröhre liegt kopfüber zwischen den ausrangierten Sesseln und glotzt in ein Nichts. Gleich daneben das zerbeulte Bildplakat von „Mensch Erol!“, dem Kandidaten der Arbeitervolkspartei SPD für das Abgeordnetenhaus in Berlin. Erststimmenkandidat, nun raus. Um ihn liegt wie ein Strick um den Hals der Rahmen eines alten Fahrrads. Dinge, die nicht mehr zählen. Erol ist Anwalt, ein gestandener Mann, sein Leben geht gut weiter, auch ohne Sitz im Halbtagsparlament. Die Sitzgruppe wird morgen aufgelöst, die Bildröhre abgeholt. Der Apparat funktioniert, die Maschinerie, das System. Man muß in die Aufmerksamkeitslücken mit solchem Programm.
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