Blog oder Buch

Bei manchen, die ich kenne, höre ich jetzt heraus, daß sie es nicht fein, nicht angemessen, nicht ambitioniert genug finden, daß ich lediglich dieses Blog schreibe. Sie wünschen mir mehr. Ein richtiges Buch sollte es sein. Diese Eintragungen erscheinen ihnen als brotlose Kunst, und sie haben recht – sie sind brotlos, ich verschenke meine Texte.

Sie haben auch in einem Zweiten recht: Es liest sich nicht schön auf einem Bildschirm. Man hat Kunststoff in der Hand. Rechner oder Smartphone sind sinnlich tot, eher geeignet zur schnellen Kenntnisnahme neuester Nachrichten oder Mitteilungen aus dem Freundeskreis, dem Abspielen grellbunter Clips oder der Überbrückung von Wartezeit durch Sudoku. Damit geraten meine Texte und Tage in einen Abspielmodus. Sie werden geöffnet, zur Kenntnis genommen, kurz überflogen und wieder geschlossen.

Niemand verweilt auf den Seiten eines Blogs, mit Ausnahme jener, die es dennoch tun und hier vielleicht etwas ausruhen oder sich in Gedanken und Bilder vertiefen und sie abgleichen mit den eigenen Erfahrungen als ein waches (träumendes), empfindendes und denkendes Wesen namens Mensch im 21. Jahrhundert.

Wenn das Medium die Botschaft ist, wie Marshall McLuhan sagte, dann werden diese Texte dadurch bestimmt, daß sie im Blog erscheinen und bislang nicht als Buch. Ich stimme dem zu. Denn die Fahrt geht weiter, dieses Medium ist eines der Fortbewegung, nicht des Stillstands oder einer Fixierung. Demgegenüber erscheint mir ein Buch wie ein Denkmal. An einem solchen arbeite ich ebenfalls.


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