Dauernd denke ich: Stell dir doch mal vor, einer von uns wäre tot. Denn das macht doch der Tod. Daß er zuschlägt wie ein böser Irrer, daß er ein für allemal zertrennt. Und dann ist Leben doch etwas sehr Verschlagenes, mit einem Mal, kaum mehr schön. Ich will hier nicht allein sein. Ich will hier nicht zurückbleiben. Es ist schön hier, ja doch. Wer denn sonst betont das wieder und wieder wie ein Gebet und hämmert es sich ein wie den Takt eines Willens, eines Wunsches, einer Inständigkeit. Plötzlich sind sie fort. Ich liebe meine Toten, sie sind lebendig. Ich liebe meine Lebenden, sie sind praktisch tot. Ich kann sie nicht halten, sie können mich nicht halten. Das ist Schwermut, sehr tatsächlich, nämlich wirksam. Stell dir vor, einer von uns wäre lebendig. Ja, ich weiß schon: Alle sagen, sie seien es. Nein, das glaub ich nicht. Ich beginne zu leben, sage ich zaghaft. Ich habe geträumt, doch nicht tief genug. Wörter trügen. Daher die Tränen. Ich hole mich niemals ein. Doch wo bin ich, wenn nicht hier? Wo bist du, wenn nicht dort?
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