Niemand ist falsch

Daß ich nicht recht sei – frühes Gefühl, böse und bohrend, späterer Jahre abgelegt – in einer Verstandeskammer, auf der ERLEDIGT steht. Die INSTANZ aber merkt sich alles, sie wacht und wartet auf die Rückkehr der alten Feinde. Sie kommen zurück, sie sterben nie. Deshalb mußt du kämpfen, sagt sie. Deshalb mußt du die Augen aufhalten. Deshalb darfst du dich nicht in Sicherheit wiegen. Deshalb läufst, deshalb suchst du, deshalb bist du unruhig. Laß dir nichts erzählen, laß dich nicht täuschen. Nichts ist „erledigt“ – paß auf, sonst bist du es. Diese Rubrik gibt es nicht, die Kammer nicht, kein Zuspruch kann das ändern. Keine Liebe reicht hinein in diese kalte Finsternis der Angst. Es bedarf eines wenigen, die Instanz zu aktivieren. Niemand ist robust. Leise Berührungen dringen tief ins Innere. Wer schreit oder schlägt, schneidet oder hackt ins Zuckende und Pochende eines Lebens. Schlimme Traditionen der Besserung, des Änderns und Abrichtens. Tränen und Blut – nicht solche des Kampfes, sondern der Wunden und des Schmerzes. Man kann einem Menschen etwas zeigen oder erklären, aber ihn in etwas drängen oder ihn zu etwas machen, das … Da es aber dauernd geschieht, insbesondere deshalb gibt es die Instanz. Daß ich nicht recht sei – niemals hat das jemand gesagt, aber ich habe es gespürt. Dies zur Wahrheit.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Niemand ist falsch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert