Heute morgen sind die Spatzen laut und munter. Gemeinsam bleiben wir und warten auf den Winter. Die gegenständliche Welt ist überzogen mit grauem Schweiß. Es ist nicht kalt, es ist nicht warm. Der Boden vibriert, das macht die Untergrundbahn, die durch den Tunnel rollt. Manchmal scheppert die Ofenklappe dazu. Musikalische Resonanz. Das ist doch kein Leben, steht an der Hauswand. Derzeit vermisse ich die Fähigkeit, mir etwas vorzumachen. Ich sehe und erkenne mich mit der Unbestechlichkeit und dem Unbeteiligtsein eines Fremden. Wer ist dieser Mann? Er löscht gleich die Kerze und verläßt das Haus. Er tut das jeden Morgen und wählt dieselbe Strecke hinunter zum Platz, wo er in den Untergrund steigt, um woanders wieder aufzutauchen. Was treibt ihn, wer führt ihn, weiß man das? Weiß er selbst, was er tut? Ob er sich selbst fremd geworden ist? Fast hat es den Anschein. Doch lassen wir ihn laufen. Er ist eine der vielen Versuchsanordnungen.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.