Wäre ich eine Blume … – bin ich aber nicht; auch nicht Apfelbaum. Es kommt zu keiner Blüte, ich trage keine Frucht. Menschen reden über Wurzeln, weil sie keine haben. Sie stehen nicht fest, auch wenn sie es vielleicht möchten. Ständig sind sie in Bewegung und verfügen über die Augen des Jägers, der die Beute aufspürt und zur Strecke bringt. Zugleich sind sie empfindlich, verletzbar und furchtsam. Ihr Schmerzgedächtnis ist ausgeprägt, ihre Phantasie malt die Schreckensbilder künftiger Bedrohungen bis in das elende Sterben hinein. Hinter jeder Ecke könnte etwas lauern; im Körper selbst arbeitet der Feind an der Vernichtung. Menschen sind leicht zu verunsichern. Wer mit ihren Ängsten zu spielen vermag, bekommt sie geliefert, kassiert stumm die Summen für ein Versprechen von Sicherheit. Noch gibt es Leben nur ohne Garantie. Daher die Zertifikate. Geprüfte Sicherheit; gewisse Autoritäten. Schein mit Stempel und Unterschrift, Logo und Institution. Ausstelldatum, Gültigkeit, Geltungsbereich. Menschen trauen sich nicht über den Weg. Sie bescheißen einander, je fremder sie sich sind. Keine Ehre im Leib, spuckte der alte Mann und schimpfte. Er hatte genug gesehen, schien es, und lief graubärtig weiter durch die langen Tage seiner Enttäuschung. Seine Suche war erfolglos, er findet nur noch Schlechtes und Wertloses. Das macht ihn zu einem Opfer des Regimes. Woher er jetzt gerade kommt, weiß ich nicht. Er trägt eine Schirmmütze und einen halblangen Mantel, manchmal pfeift er vor sich hin. Den Baum habe ich nicht vergessen, ebenso wenig wie den Sonntagnachmittag und die plötzliche Angst.
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