Das Regime der Angst 6

Es ist auch so, daß nun das Brot wieder schmeckt und der Apfel. Denke ich an jene, die ich liebe und (sofern möglich) schütze, bin ich erstaunt, daß sie mich ertragen. Ich denke, daß sie mich mehr schützen als ich sie. Nach diesen Wochen oder gar Monaten nahezu vollständiger Verzweiflung erkenne ich, wie kostbar die Tage des Bemerkens und Würdigens sind, auch des Sagens. Ich höre von plötzlichem Tod und davon, wie sehr die Zurückbleibenden sich vergeblich wünschen, das eine oder andere noch gesagt oder gezeigt zu haben. Als benötige die tote Seele diese Information. Dabei wissen wir nichts, nicht das geringste, nichts von dem, was hinter dem Vorhang vor sich geht. Es könnte hinter ihm sonstwas geschehen, wir dürften es nicht erfahren. Die Nahtod-Erfahrungen sind nicht ohne (Licht, Höhe, Entschweben, Draufsicht, Qual der Rückkehr), aber während wir leben, sollten wir uns nichts schuldig bleiben, so wenig wie möglich. Deshalb sich aussprechen, loben, preisen, anerkennen. Kritik nur zur Not. Sofern der Stamm eine neue Richtung braucht. Anerkennung ist das Licht, nachdem er sich streckt; Sinn ist das Gesetz. Klingt heilig, ist aber ganz und gar diesseitig. Jenseits machen wir etwas anderes.


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