Sinnvolle Versionen

„Man kann jeden Kummer ertragen, wenn man ihn in eine Geschichte einhüllt.“ Dies sagt eine Figur aus der Serie Hannibal, und jeder weiß, daß dies zutrifft. Erzählungen bannen den Schmerz und heben ihn auf eine Ebene des Verstehens, also der Verständlichkeit. Mit ihr, der Erzählung, erhalten Schmerz und Kummer ihren Sinn. Es gibt allerdings auch falsche Erzählungen mit mangelhaften Sinnzuteilungen. Man wehrt sich gegen sie (nahezu) instinktiv. Nicht jede Deutung des Geschehens ist willkommen oder annehmbar. Deshalb ist es wichtig, wie die Geschichte erzählt wird und wer sie erzählt. Die Befugnis entscheidet. Sie wird nicht ausgestellt, sondern gewußt. Man kann sie befragen, doch es handelt sich um etwas hinter den Antworten. Jeder kann es spüren, darüber reden läßt sich schwer. Manchmal dauert es, bis eine sinnvolle Erzählung erscheint. Zur Not schreibt man sie sich selbst. Das ist ungenügend, aber besser als nichts. Deshalb reden wir so viel, denn das scheint besser als nichts.


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