Nachträglich oder tatsächlich

1

Wie Menschen sich gut tun, soll mich fortan beschäftigen. Davon, wie sie sich kaputt machen, habe ich genug. Ich warte nicht auf den Heiland, denn er kommt nicht. Ich warte nicht auf den Tag der Erlösung für alle. Ich warte nicht auf plötzliche Einsicht und ewigen Frieden. Ich nehme die Wirklichkeit an. In der Wirklichkeit sind die Verhältnisse gemischt und schimmern verhalten. Das einzig Absolute ist der Tod und die unendliche Kälte und Weite des Weltraums. Dem trotzen wir durch sinnvolle Nähe und menschliche Wärme. Manchmal reicht ein Blick und ich bin getröstet. Man kann hier leben. Ich möchte nicht lügen lernen. Ich konnte es mal, habe es aber verlernt. Ich sage nicht alles, aber wenn ich etwas sage, soll es wenigstens in die Richtung zeigen, die ich meine.

2

Und sonst? Laufen die Geschäfte gut? Was bringt Weihnachten ein? Hat jemand den Weihnachtsmann gesehen? Er ist gut zu Fuß, muß es sein, denn ich sah ihn noch nie auf einem Schlitten. Wird der bimmelnde Schlitten von Elchen gezogen? Woher bekommt der Weihnachtsmann die Geschenke? Muß er sie kaufen oder holt er sie sich von woanders? Kinder fragen nicht nach. Ich war derjenige aus meiner Klasse, aus meinem Dorf und in meinem Freundeskreis, der am längsten an den Weihnachtsmann glaubte. Das lag daran, daß meine Mutter mir versicherte, daß es ihn gibt. Sie scheute davor zurück, meinen Glauben zu zerstören. Ich habe ihr vertraut. Sie glaubte als Kind an Elfen und hatte sie wirklich gesehen. Ich glaubte nicht an den Osterhasen, doch ich habe ihn als Kind wirklich gesehen. Er hoppelte mit Kiepe auf dem Rücken über eine Weide und zwängte sich durch den Stacheldrahtzaun. Wäre ich vor Gericht und müßte bezeugen, was ich gesehen habe, müßte ich antworten, daß er dort lief. Denn ich habe ihn gesehen, obwohl ich ihn nicht gesehen haben kann.


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