Das Kind an der Hand seiner Mutter ist aufgeregt. „Mama, kuck mal, ein Chihuahua.“ Er trippelt an der Ausziehleine seines verstrubbelten Herrchens den Boulevard entlang und wirkt so zart und zerbrechlich wie eine Porzellanfigur. Gegen die Kälte trägt das Tier (immerhin ein Hund) ein rotes Deckchen. Deckchen für Hündchen von Herrchen. Das Kind möchte auch einen Chihuahua, das erklärt sie der Mutter: weil der „so schön klein“ ist und „keinen Platz wegnimmt“. Ein Spielzeughund, gezüchtet wie für die Wohnung. Gewicht 1,5 bis 3 Kilogramm, Höhe 15 bis 23 Zentimeter. Ein Hund wie für Tasche, ein Hund zum Mitnehmen. Temperament: „lebendig, hingebungsvoll, konzentriert, aufgeweckt, tapfer“. Schlagzeile: „Chihuahuas machen glücklich!“ Chihuahuas auf Ebay-Kleinanzeigen. Das Kind hat seinen Weihnachtswunsch geäußert. Die kleinste Hunderasse der Welt, Lebenserwartung 10 bis 18 Jahre. Die Geschichte dieser Kleinhunde, einer mexikanischen Züchtung, läßt sich nachlesen. Es gibt unterschiedliche Legenden: Schoßhund aztekischer Prinzessinnen, Speise- und Opfertier („Führer toter Seelen auf ihrer Reise ins Jenseits“). Mitte des 19. Jahrhunderts kam der Chihuahua nach Europa. Als „Qualzucht“ gilt, immer kleinere Hunde dieser Rasse zu züchten. Manche wiegen kaum mehr als 500 Gramm. Zuchtprobleme: empfindliche Augen, der Zahnstand im zu kleinen Mäulchen, die verkürzten Atemwege. Das Kind, ein Mädchen von etwa sechs Jahren, hat den Namen des Hündchens richtig ausgesprochen. Das Herz lernt am besten.
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