Wenn ich schon nicht an den Rand eines Vulkankraters treten kann, um in die absolute Glut zu blicken, so kann ich wenigstens eine Lavalampe an den Stromkreis anschließen und stundenlang warten, daß etwas passiert, bis etwas passiert: der Ausbruch. Erst kippt die Masse zur Seite, dann bläht sie sich auf, als herrsche Leben in ihr, als sei sie ein Tier. Kurz darauf schießt ein bizarrer Ast in die Höhe und bleibt senkrecht stehen, als wolle er mahnen oder müsse Denkmal sein. Später steigen kleinen Blasen und bilden Kügelchen, die in die Höhe streben. Dort erkalten sie und sinken in die Tiefe, sammeln sich im Lavagrund wie verschossene Munition. Die wird eingeschmolzen und steigt erneut, bildet größere und immer größere Blasen, bis irgendwann ein Turm aufwächst und der wahre Herrscher sich zu erkennen gibt. Dieser Turm durchmißt das gesamte Universum und ragt bis ins Höchste hinauf. Der Turm regt sich, bewegt sich, ist tiefrot durchglüht. Keine Herrschaft währt ewig. Endlich trennt die Spitze sich ab. Aus dem einen und einzigen werden zwei oder drei, schließlich noch mehr Körper. Sie steigen und fallen. Der Lavagrund empfängt und entläßt. Wenn fallende auf steigende Körper stoßen, gleiten sie aneinander ab: ihr jeweiliger Weg ist unumkehrbar bestimmt. Spannung baut sich auf und entlädt sich, das Auf und Ab in wechselnden materiellen Manifestationen, ein taoistisches Spektakel. Nein, man muß kein Kiffer sein, um das zu mögen.
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