Am achten Tag hatte Gott genug geruht und dachte nach. Er wollte seiner Welt ein Geschenk bereiten – durch ein menschliches Wesen, das erheitert und belehrt; ein Wesen, das aufpaßt, daß die Kleinigkeiten dort zu finden sind, wo sie abgelegt oder zuletzt gesehen wurden; ein Wesen, das imstande ist, gegen alle Widerstände anzukämpfen und für die Wiedergabe des Vorhandenen oder bereits Gesagten zu sorgen; ein Wesen, dem es gefällt, sich selbst zu lauschen und in einen Rausch der Richtigkeiten zu verfallen; ein Wesen, das all seine Liebe und Sorgfalt in die exakten Abfolgen und Abläufe legt und sich unterschiedslos alle Namen und Daten merken kann; ein Wesen, das nicht darauf achtet, ob das, was verbessert werden muß, gefällt oder Anklang findet; ein Wesen, das jederzeit sprung- und einsatzbereit ist, um für die ganze und ermüdend ausführliche Wahrheit einzutreten, ungeachtet der Stunde oder der Situation. Und so schuf er und schenkte uns den Klugscheißer. Der Klugscheißer ist ein Eiferer sonderer Art, sein Metier ist die Richtigstellung. Wo andere sich eine Ungenauigkeit oder lässige Verallgemeinerung leisten, greift er ein und korrigiert. Im Korrigieren liegt sein Hauptgeschäft. Er verfügt über kein eigenes Ziel, möchte nichts bauen oder verändern, strebt auch nicht nach einer anderen Welt. Die vorhandene Welt und Wirklichkeit ist ihm in Ordnung, wären da nicht die zahllosen Vernachlässigungen, Flüchtigkeitsfehler, Ungenauigkeiten, Verdrehungen, Vorurteile und Mißverständnisse. Es ist eine Pest mit den Mitmenschen, daß sie einfach nicht zuhören und lernen wollen. Stattdessen quatschen sie munter drauflos und behaupten heute dieses und morgen jenes, gerade wie es ihnen gefällt. Deshalb muß er einschreiten, denn Gott tut das nicht. Gott läßt die Menschen machen und schaut zu. Für diese Interventionen hat er den Klugscheißer geschaffen, und dieser Besserwisser fühlt sich durchaus berufen zu solch dringend gebotenem Dienst. Wir sollten ihm dankbar sein, findet der Klugscheißer. Es ist doch so spannend, wie es sich wirklich zutrug damals im Tempel, als der König, bevor er starb, noch sagte … Nein, das hat er nicht gesagt. Ja, das ist so überliefert. Nein, es entspricht vielleicht der Überlieferung, nicht aber der Wahrheit. In Wahrheit hat er gesagt, daß Gottes Schöpfung doch unvollkommen sei ohne einen Wächter der exakten Wahrheit. Terriergleich verbeißt er sich in den Details, als seien allein die Fakten das Mark des Erkennens, Verstehens und Berichtens. Nichts bringt ihn derart außer Kontrolle wie eine falsche Jahreszahl oder eine schlampig recherchierte Regimentsnummer. Das Teil steht doch fürs Ganze. Wenn er über sich hinauswächst, erklärt er kurzerhand noch, daß das Neue nichts Neues ist, denn bereits bei Horaz sei zu lesen, daß … Da wird er mutig, da stößt er vor, da traut er sich was. Von allein und aus sich heraus kommt bei ihm ansonsten wenig bis nichts. Er wüßte gar nicht, wo anfangen, wo aufhören, man weiß ja nie genug. Aufhören schon gar nicht. Er liest und liest und paßt auf, daß alle lernen, was er gerade gelernt hat. Deshalb ist er so erheiternd. Man muß ihn reden lassen, ihm zustimmen und sich bedanken, dann freut er sich. Das ist schließlich gut für alle. Doch bereits bei Shakespeare heißt es
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