Rührende Vorstellung von Erwachsenen, vorbildlich auf Kinder zu wirken. Als könnten diese nicht erkennen, daß jene es wollen. Ich will kein Vorbild sein, dekretierte Paul Breitner nach dem Gewinn der Fußballweltmeisterschaft 1974. Daraus wurde ein Buch, es erschien 1980. Damals war ich noch ein Kind oder fast und dachte lebhaft darüber nach, was dieser Angeber und Rebell von sich gab. Er war doch ein Vorbild, warum wollte er es nicht sein? Jene, die es sein wollten oder sollten (Berti Vogts), stießen mich ab. Breitner aber schien in Ordnung zu sein: er war kein Schleimer, kein Angepaßter, er muckte auf.
Die Vorbilder, die zu mir paßten, fand ich ohne Zutun der Erwachsenen. Allerdings mischte sich damals niemand in die zutiefst inneren Angelegenheiten eines Kindes. Kein Erwachsener kam auf die Idee, in die Ideale eines Kindes hineinzupfuschen, nur um es dorthin zu navigieren, wohin es nach Ratschluß oder Bedürfnis der Eltern und anderer Anteilseigner angeblich gehört. Darin erkenne ich den eigentlichen Skandal unserer pädagogischen Jetzt-Zeit: daß erneut versucht wird, sich ins heilige und schützenswerte Innere eines Menschen vorzuarbeiten, durchaus manipulativ, wenn auch uneingestanden, und sie oder ihn abzurichten im Sinne einer längst abgegoltenen, erfolglosen und brav-öden Zukunftsvorstellung.
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