Aufgabe

Warum sind die jungen oder jung gebliebenen Mütter eigentlich so schmissig und werfen sich aktiv und joghurtfrisch ins Leben ihrer heranwachsenden oder erwachsenen Töchter, als wüßten die noch nicht, was eine Party ist und woraus Spaß besteht und mit wem man shoppen gehen kann und mit wem nicht? Warum so übermotiviert, so übergriffig – was steckt dahinter? Der Wunsch, noch einmal jugendlich, der Wunsch, die beste Freundin der eigenen Tochter zu sein? Was wiederum steckt hinter diesem seltsamen Ansinnen? Offenbar sind sie nicht ausgelastet, offenbar möchten sie ausgerechnet dort mitgestalten, wo es darauf ankommt, daß selbst gestaltet wird. Sie wünschen sich, gebraucht und geschätzt zu sein, sie suchen Nähe. Sie könnten wissen, daß es die Jüngeren sein müssen, die sich an die Älteren wenden, nicht umgekehrt. Sie wissen es, haben es nur vergessen. Überdies identifizieren sie sich ja auch und stellen sich vor, wie es war, wie es ist, denken sich hinein in das, was geschehen wird, und wissen bereits, was passieren könnte, wenn nicht dieses, sondern jenes geschieht, und am liebsten würden sie die Sache für ihre Tochter erledigen, so schwer scheint die Aufgabe. Sodann erinnern sie sich daran, wie das früher geregelt wurde, in ihrem eigenen Leben als Tochter. Wenn das nicht gut ging, soll es jetzt besser gehen. Es müßte doch besser gehen, wenn man anders ist als die eigene Mutter. Das Gegenteil gewissermaßen, das Plus zum Minus. Die jungen oder jung gebliebenen Väter dagegen, die kumpeln das weg. Die sind noch jung im Geschäft des Erziehens, die zucken zur Not mit den Achseln. Wußte ich nicht, hat mir niemand gesagt, sorry. So bleiben beide für immer jung. Als sei das ein Ziel.


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