Dieses totalitäre und ergebene Sprechen, als hätte ein Machtwechsel in Washington zur Folge, daß wir nicht mehr angemessen, friedvoll, streitbar, konstruktiv, intensiv, forschend, respektvoll, rücksichtsvoll, behutsam, ehrlich miteinander umgehen können … Eine Absurdität! Soll der Mann dort das Seine tun und umzusetzen versuchen, was ihm und den Seinen gelegen ist. Er tut es auch ohne unsere Zustimmung. Wir haben ihm nichts zu verbieten oder zu erlauben. Er uns auch nicht. Er ist nicht ein gewählter und abwählbarer politischer Führer einer anderen Nation, ein Bürger, ein Beauftragter – kein König, kein Zar. Die mediale Nähe macht aus seiner Präsidentschaft den größten anzunehmenden Unfall in der allgemeinen und besonderen Nachbarschaftsgeschichte. Die Geschichte hat nicht recht, ich stimme Handke zu. Sie hat allein deshalb nicht recht, weil sie immer recht hat, zu jedem Zeitpunkt. Die jeweils neueste Version macht die ältere obsolet. Die Geschichte gibt auch kein Ziel vor, wie man einst meinte. Sie ist total indifferent und darin der Natur ähnlich. Beide behandle ich hier wie Wesenheiten, da wir über sie wie über Wesenheiten sprechen. Hinter den Begriffen verbergen sich Gottheiten, man ahnt es längst. Auch sie suchen Gläubige und finden sie zuhauf. Möge Trump sich blamieren oder bessern – wir leben unser, ich lebe mein Leben, in einer Zeit, in der „alles wieder möglich ist“. Eine andere Lähmung ist nämlich von uns genommen: diejenige der Zustimmungspflicht zu fatalen Strategien.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.