Er ist stattlich gebaut und erfolgreich, manchmal nur ein wenig unbefriedigt. Dann fehlt ihm ein Kitzel, ein Quentchen Erotik, ein Abenteuer. Es muß prickeln, sagt er, wenn es nicht mehr prickelt, ist es aus. Er ist glücklich verheiratet, kaum etwas fehlt. Doch er möchte nicht nach Haus, lieber noch in die Bar. Er hat sich mit den Jahren eine Haltung angewöhnt, die vermuten läßt, daß er sich selbst ebenso verachtet wie diejenigen, über die er verächtlich spricht: die Verlierer, die Suchenden und sowieso alle Frauen. Die Frauen sind jenes Andere, das er deshalb haßt, weil er es braucht. Voller Abscheu sieht auf jene herab, die betteln und sich auf die Hilfe anderer verlassen. Er hat nichts zu verschenken; er hat sich alles selbst erarbeitet, aus eigener Kraft. Manchmal war das eine elende Plackerei, spät erst kam die Anerkennung, und er spürt sie in Form des Neids. Viele hätten gern, was er hat, bildet er sich ein. Um sich zu behaupten, sucht er die Dominanz. Deshalb ist er herablassend. Er glaubt, dadurch ergebe sich wie von selbst Überlegenheit. Daß alte Freunde aus Mitgefühl mit ihm verkehren, darf er nicht wissen. In ihm wird ein Jegliches annulliert. Er ist einsam. Ob er sich noch bessern kann, ist fraglich. Er müßte bitten müssen, sich bedanken lernen – aber das kann er nicht. Er müßte erkennen, wie verkommen er ist. Nichts dergleichen wird geschehen, und er wird sich nicht ändern, er macht weiter wie bisher. Es ging doch bisher gut, bisher ging es doch ganz gut.
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