Erschöpft von der Arbeit des Tages. Heimfahrt, es wird Nacht. Die Lichter blenden, die Autos sind laut, aus den sonst so beweglichen Mündern der Menschen in der Bahn kommen keine Sätze mehr. Sie sind umsponnen von jeweils Eigenem: einem Lied, einer Nachricht, einem lieben Gesicht. Ich stehe an der Haltestange und erblicke die Frau, die schreibt. Sie ist vertieft in Gedanken, die sie mit einem weißroten Kugelschreiber in ein Heftchen schreibt, das sie auf ihr Knie gelegt hat. Das Knie befindet sich in Brusthöhe, denn sie ist auf dem Sitz etwas nach vorn gerutscht und hat ihren linken Fuß auf den Blendschutz des Heizungskanals gestellt. Manchmal schaut sie ganz kurz auf, als sei eines der richtigen Wörter oder eine kleine Idee zwischen den Mitreisenden zu finden, als schwebten unsichtbare Seepferdchen durch den rollenden Raum. Es ist dieser Blick, der auf anderes achtet, nicht auf Details oder Umrisse, Personen oder Bilder. Andere schreiben auch: sie tippen mit spitzen Fingern auf die dafür vorgesehenen Flächen ihrer Geräte. Das hat bei manchen etwas, als ekelten oder fürchteten sie sich, als zeigten sie auf etwas (was nie schön ist) oder berührten es extra nur ganz kurz. Die Frau die schreibt schreibt mit ruhig kreisender und auf und ab geführter Hand von links nach rechts. Ihre Schreibbewegung kommt aus dem Körper, läuft über den Arm in die Hand in die drei Finger, die den Stift halten. Eine Tanzbewegung entsteht, ein choreographierter Ausdruck ihrer Persönlichkeit in der Luft und auf Papier. Die Frau die schreibt macht die Fahrt schön, auch wenn sie das nicht weiß. Während sie schreibt, leuchten ihre Augen.
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