Warum die Welt verbessern, wenn ich ein Bild zu malen habe

Kritik: Der inquisitorische Duktus der Achtundsechziger, 1970 öffentlich-rechtlich geworden und damit gewissermaßen institutionalisiert. Zeitgenossenschaft steht über allem, zumal der Kunst. Das Gebot der Revolte, die Revolution sein möchte, lautet: Schluß mit dem bürgerlichen (unpolitischen) Kunstgenuß, alle verfügbaren Kräfte an die Front zur Verbesserung der Lebensverhältnisse der ausgebeuteten Klassen. Dem Kampf für eine neue und gerechte Welt gebüren alle Anstrengungen. Der Sieg scheint nah: die Vergesellschaftung aller Produktionsmittel und Befreiung der Produktivkräfte. Konstatiert werden: der Tod der Kunst, der Tod der Literatur, der Tod des Theaters, der Tod des Films, der Tod der bürgerlichen Privatheit, der Tod des Privateigentums, der Tod des romantischen Liedes. Gefordert wird das totale gesellschaftspolitische Engagement, entsprechende Relevanzen sind nachzuweisen. Das war die „große Zeit der Politisierung“, gaben die Akteure später stolz zu Protokoll. Da hatten sie einmal was erlebt, und wenig später zwang die bürgerliche Welt sie zurück in ihre Grenzen. Seitdem warten wir auf einen neuerlichen Ausbruch des Unbehagens in der Kultur. Es wäre angenehm, wenn diesmal nicht gegen die Kunst gestürmt würde. Kunst ist Ausdruck von vielem. Wer die Blumen nicht sieht und erkennt, wird schwer einen Menschen verstehen. Die Pflanzen und Tiere und Landschaften sprechen. An Horst Janssen läßt sich tatsächlich das Drama des genialischen Menschen in einer demokratisierten Massengesellschaft und Marktwirtschaft ablesen. Das lädt nicht ein zu Trauer oder Häme, sondern zu erneutem Nachdenken. Wenn Janssens Werk hält, wird er die Bundesrepublik bei weitem überdauern. Das Politische ist wie ein kalter Mantel, der von Zeit zu Zeit abgeworfen wird.


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