Der Kamin, die schweren Sofas, die Vorhänge. Schon einmal war ich in einer solch dunklen Wohnung mit abgenutzten und verblaßten Teppichen, knarrenden Dielen, Staubflusen unter den alten Möbeln aus Massivholz: Anrichten, eine Kommode, Glasschränke, Schreibtische, ein schmaler Sekretär, Blumenbänke, ein Stehpult. Die Zeit war angehalten worden, seitdem gab es Staub, der war das Ereignis der sich erneuernden Gegenwart. Eine geräumige, aber vollgestellte Wohnung im Hochparterre mit Balkonen in jede Himmelsrichtung, unüberschaubaren Fluren, kleinen Kammern und seltsamen Gängen in Nebenflure oder Nebengänge. Die Blicke auf Garten, Weg und Straße durch wulstige Gründerzeitsäulen hindurch. Vertrocknete Pflanzen zu Füßen, längst nicht mehr anklagend, sondern ganz schon tot in ihren tönernen Töpfen. Die Künstler waren auf unbestimmte Zeit verzogen, lebten jetzt woanders, die Räume wurden untervermietet. Eine Wohnung dieser Art sehe ich nun in einem Film und bin wieder dort, in Halle an der Saale Anfang der neunziger Jahre. Der Geruch nach Schimmelfeuchte und kaltem Rauch, Ofenstaub und Mottenkugeln. In solchen unbereinigten Räumen sind Erfahrungen kompostiert. Man zündet Kerzen an und läßt die Geister reden. Sie kommen hinter den Vorhängen hervor oder treten aus den Bildern. Einige Bögen Papier sind nötig, um das eilig zu fassen. Wenn es knackt, sind das die Fußbodenbretter oder die Gelenke. Mit Morgengesang zu Bett, das Licht bleibt fremd und draußen.
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