Eben streift mein Hosenbein das Bein meines Schreibtischstuhls. Das ergibt ein klagendes Geräusch. Bisher hat der Stuhl unter mir wenig von sich gegeben, hat nur manchmal geknarrt oder geknackt. Er ist ganz aus Holz und eher zierlich, ein Modell aus den sechziger Jahren, wie ich glaube. Die früheren Besitzer haben ihn taubenblau gestrichen, das steht ihm gut. Wie er zu mir gefunden hat und seit wann ich ihn habe, weiß ich nicht mehr. Vielleicht landete er versehentlich hier, nach einer der großen Stühleversammlungen im Garten, einem Sommerfest mit bunten Lichtern, klingenden Sätzen und hellem Lachen. Am nächsten Morgen suchten sich die Stühle ihre neuen Besitzer. So wird es gewesen sein. Oder er stand auf der Straße und ich nahm ihn kurzerhand mit. Aber dieser Klagelaut eben, wie aus der Tiefe einer Seele, die sich für die lange Zeit ihrer Pein verschlossen gehalten hat.
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