Ergänzung zu Manchmal 2 und Das große Gedächtnis

Wenn ich eine kleine Ladung über den Strom (mit ihm und gegen ihn) gebracht habe, fühle ich mich nicht mehr ganz so hilflos wie sonst. Mir ist dann, als sei etwas getan, als hätte ich einen kleinen Kieselstein auf den Grabstein des Lebens gelegt. Denn darauf läuft es hinaus, daß wir alle tot sind, die wir jetzt noch leben und handeln, schreiben und lesen. Ich denke oft an die, die kommen werden, und was sie von uns, die wir dann gegangen sind, halten. Deshalb möchte ich dokumentieren, wie es sich angefühlt hat, hier und jetzt zu leben, in Europa / Deutschland / Berlin / Neukölln im Mai 2017, in der Mitte des Monats, der Sommer zieht auf, manche schwitzen bereits, es haben Wahlen stattgefunden und werden stattfinden, das heißt Politik und ist eine eigene Sparte des Unterhaltungsgewerbes. Hoffnung ist das Wichtigste für die Gesundheit, habe ich gelernt. Ohne Hoffnung verkümmert ein Mensch und versinkt in der Aussichtlosigkeit, um endlich aufzugeben und abzusterben. Der Gegenspieler der Hoffnung ist die Verzweiflung. Sie wirkt vertraut, ist aber wenig überzeugend. Es geht weiter, wie auch immer. Das klingt fast schon deprimierend, ist aber wahr. Ein Ende ist nicht in Sicht, auch wenn die kalten Waffen drohen. Durch die Engpässe des Verstehens und Mißverstehens müssen wir gemeinsam hindurch, dann fühlt sich das Leben wieder besser an. Davon bin ich einigermaßen überzeugt. Nun zu Bett, um bei Kräften zu sein.


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